„Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ von Genki Kawamura

Über das Buch:
„Ich will leben!“, wirst du schreien. „Ruft mir den Teufel zurück!“ Denn ihr Menschen seid nie zufrieden mit eurer Wahl. Ständig bereut ihr, euch nicht für etwas anderes entschieden zu haben.“

Was macht ein gutes und erfülltes Leben aus? Diese Frage stellt Genki Kawamura in seinem Roman.

Was macht ihr, wenn ihr plötzlich von eurem Arzt einen unheilbaren Hirntumor diagnostiziert bekommt? Genau das passiert dem 30-jährigen Briefträger. Als er nach Hause kommt, wartet dort auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: für jeden weiteren Tag Leben muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche Sache verschwindet, entscheidet der Teufel. Der junge Briefträger stimmt dem Pakt zu…

Meine Meinung:

Vorab möchte ich erwähnen, dass „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ mein erstes Buch von einem japanischen Autor war. Der Grund, warum ich dieses Buch lesen wollte, war der Titel und der Klappentext, die mich sehr neugierig gemacht haben. Man selbst macht sich wirklich selten Gedanken über das Leben, ständig beklagt man die negativen Sachen anstatt sich hinzusetzen und die schönen Dinge im Leben zu genießen.

Und dann passiert etwas in seinem Leben und fragt sich: Hätte ich mehr in meinem Leben machen und erreichen können? So erging es dem Briefträger aus Kawamuras Roman. Deshalb lässt er sich auf den vom Teufel vorgeschlagenen Pakt ein.

Als erstes verschwinden die Telefone. Natürlich! Früher konnte man schließlich auch ohne Telefone und Smartphones leben. Müsste ich entscheiden, glaube, ich hätte mich auch für Telefone entschieden. Es ist doch viel schöner sich mit seinen Mitmenschen persönlich zu treffen und reale Gespräche zu führen und nicht wie heute gefühlslos in einem Chat.

Am nächsten Tag verschwinden die Filme. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr aufwacht und es gibt keine Filme und Serien mehr? Kein Netflix, kein Kino, kein Fernsehen… Auch darauf würde ich vielleicht verzichten, denn auch früher gab es keine Filme und die Menschen haben es überlebt. Es wäre aber denkbar eine große Umstellung für uns. Telefone und Filme, dass sind alles nur Sachen, die wir Menschen erschaffen und an die wir uns so stark gewöhnt haben.

Doch dann verschwinden die Uhren – und damit auch die Zeit. Jetzt wird es schon schwieriger. Woher wissen wir, wann wir aufstehen müssen. Wie viel Zeit wir noch haben, um rechtzeitig den Zug oder Bus zur Arbeit oder Schule zu schaffen, wann die Pause vorbei ist…“Ihr Menschen glaubt, ihr seht die Welt, wie sie ist. Aber da irrt ihr euch gewaltig. Ihr stellt Definitionen auf und seht sie dann so, wie es euch passt. Warum also nicht einfach mal den Rhythmus verändern, damit ihr die Welt ohne euer eigenmächtiges Zeitkonstrukt erlebt?“ Diese Erkenntnis hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Wir sind immer auf die Zeit geprägt, von klein auf lernen wir die Uhr zu lesen. Aber was ist Zeit wirklich?

Und dann, am vierten Tag, sollen alle Katzen verschwinden. Was dann passiert, hat mich so sehr zu Tränen gerührt. Niemals könnte ich mir, als absoluter Katzen-Fanatiker, ein Leben ohne Katzen vorstellen. Genauso ergeht es auch dem Briefträger.

Genki Kawamura, ein japanischer Filmproduzent und Autor, schafft es mit seinem ersten Roman wirklich einen zum Nachdenken anzuregen. Das Buch ist nicht dick, aber trotzdem stecken so viele wahre Worte und Details in diesem einen Buch. Und wer jetzt denkt, dass dieses Buch eine Drama-Geschichte ist, der irrt sich. Die Geschichte ist zwar einerseits traurig, aber wer anfängt es zu lesen, merkt schnell, dass Kawamura einen lockeren, flüssigen und regelrecht amüsanten Schreibstil hat und man an vielen Stellen auch schmunzeln muss. Lediglich am Ende wird es ein wenig melancholisch, aber auch wunderschön geschrieben.

Wer wissen möchte, wie es dem Briefträger mit dem Teufel ergeht und wie er sich am Ende entscheidet, darf sich gerne selbst davon überzeugen.

Meine Bewertung:
Klein aber oho! Dieses Sprichwort passt total zu diesem Buch. Es ist grandios geschrieben und hat so viel Wahrheit und Gefühl in seinen Zeilen. Ich kann nicht anders als 4,5 von 5 Sternen zu geben. Einen halben Punkt musste ich leider wegen dem Ende abziehen. Es ist kein schlechtes Ende, aber… ihr müsst es einfach selbst lesen, dann versteht ihr es (sonst Spoiler ich nur zu viel!)

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.